Berufen zum Christsein:
Schöpfung – Erlösung – Kirche-sein
Predigtreihe in der Fastenzeit, Lesejahr A, 2026. 
Pfr. Klaus Meyer, Roth.
Vorwort
Liebe Schwestern und Brüder,
am Lichtmesstag, dem 2. Februar 2026, wurde eine eigene Weg-Kerze entzündet, die Diakon Jonas Reißmann in die Kirche trug. Sie wird uns nun bei verschiedenen Gottesdiensten und Aktionen auf dem gemeinsamen Weg zum Fest seiner Priesterweihe und Primiz am 25. bzw. 26. April 2026 begleiten.
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5) heißt sein Primizspruch. Auch wir wollen uns auf einen Weg machen.
Wenn ein junger Mensch ganz JA sagt zu GOTT, kann das Anlass sein, unserer eigenen Berufung zum Christ-sein und zu unserem Glaubensweg nachzuspüren: Gott, du hast auch mich in deine Nachfolge berufen!
Welchen Mehrwert hat das Christentum in dieser Welt? Was ist unser kirchlicher Glaube, was macht unser Christentum aus? Spüren wir etwas von der Schönheit und der Freude, Christ/Christin zu sein?
In Verbindung mit den Schrifttexten wollen wir heute und an den kommenden beiden Sonntagen diesen Fragen nachgehen. Im ersten Teil geht es um Schöpfung und Sündenfall.
Schöpfung und Sündenfall – 1. Fastensonntag, 22.02.2026
Schöpfung und Sündenfall – 1. Fastensonntag, 22.02.2026
- Lesung: Erschaffung und Sündenfall des Menschen (Gen 2,7-9;3,1-7)
- Evangelium: Die Versuchung Jesu (Mt 4,1-11)
Wir erleben tagtäglich eine unvollkommene, verwirrte Welt. Papst Leo fasste das kürzlich in drei Begriffe: Schnelllebigkeit, Gleichgültigkeit und Einsamkeit. Damit verbinden sich Egoismus und Unsicherheit. Störungen. Wo kommt das her? Warum gibt es soviel Unheil? Das haben sich schon die Menschen der Bibel gefragt. Wo ist Gott? Wenn er der Schöpfer ist, hat er dann eine unvollkommene Welt gemacht?
Beginnen wir von vorne: Gott sah, dass alles, was er gemacht hatte, sehr gut war, heißt es im ersten Schöpfungsbericht, der um 500 v.Chr. in Babylon entstand. Dabei geht es nicht darum, dass Gott in sechs kalendarischen Tagen die Welt erschaffen hat, vielmehr lag dem Verfasser ein ägyptischer Text mit sechs Strophen zugrunde, den er umwandelte. Sonne, Mond, Pflanzen, Tiere… sind nicht Götter, wie es in der ägyptischen Vorlage hieß, sondern unser GOTT, Jahwe, hat all das gemacht. Ebenso wird der Tag der Ruhe, der Sabbat betont.
Dem zweiten, älteren Schöpfungsbericht (ca. 9. Jh. v.Chr.), den wir heute in der Lesung gehört haben, liegt das Bild einer Oase zugrunde. Gott formte den Menschen (wie schön!), auch dich und mich als sein Abbild! Er blies ihm den Lebensatem, seinen Geist (ruach) ein und stellte ihn in den Garten, den er für ihn bereitet hat! Mit dem Baum der Erkenntnis setzte er ihm aber auch eine Grenze: Der Mensch ist nicht Gott, sondern Teil der Schöpfung, ein sehr bedeutender!
Der Schöpfungsbericht ist keine wissenschaftliche Aussage, das scheitert schon an den beiden unterschiedlichen Berichten. – In unserer Welt ist eine Sache entweder wissenschaftlich beweisbar und damit gleichsam salonfähig oder sie wird als Legende und sekundär abgetan. Es gibt aber noch eine dritte, tiefere Wahrheit: Die Bibel interessiert weniger das wie, sondern dass GOTT im Anfang da war: Mit dem Wissen und der Vorlage der damaligen Zeit (heute würden wir vielleicht sagen: Im Anfang schuf Gott den Urknall – und in tausend Jahren gibt es vielleicht wieder einen anderen Wissensstand) wird ausgesagt, dass GOTT die Schöpfung aus Liebe ins Dasein gerufen hat: Sie wird aus ihm, aus seiner Liebe heraus! Er sprach und es wurde…
Gott hat eine gute und heile Erde geschaffen, besonders die Menschen in ihrer Einmaligkeit, Würde und gelingenden Beziehung, mit Geist und Seele, Herz und Leib bis hin zur Geschlechtlichkeit. Zusammen mit dem Schöpfer dürfen sie neues Leben schenken!
Nun, wenn Gott alles gut und aus Liebe geschaffen hat, woher kommt dann das Böse, die Störungen? Schauen wir nochmal auf die heutige Lesung. Sie berichtet im zweiten Teil vom Sündenfall:
GOTT hat alles gut gemacht – aber der Mensch meinte, ihn nicht mehr zu brauchen, bzw. sich an seine Stelle setzen zu müssen, sonst sei er unmündig. Die Bibel kleidet dies in die Geschichte von Adam, Eva, Apfel und Schlange. Warum eigentlich eine Schlange (die übrigens im Hebräischen maskulin ist)?
Israels Gott ist Jahwe, der ICH-BIN-DA, der Bundes-Gott, den es immer mehr zu erkennen und zu vertrauen gilt (ob in Jerusalem, in Babylon oder wo immer ich bin). Das Bild der Schlange ist aus den orientalischen Fruchtbarkeitskulten genommen, die Israel umgaben. Die eigentliche Versuchung Israels war, den Bund zu verlassen und in diese Fruchtbarkeitskulte einzutauchen, die näher und sinnlicher scheinen – bis hin zu Rausch und Ekstase.
Damit „mache“ ich mir mein religiöses Gefühl, meinen Gott, meine subjektive Empfindung… das erinnert stark an die Vergöttlichungen in der heutigen, materialistischen Welt. Es geht nicht darum, dass man keine Hobbies und keine Freude haben darf, sondern dass das keine Ersatzreligion wird! Alles muss unter dem Dach GOTTES stehen. Eine Versuchung, die Jesus auch im heutigen Evangelium erfährt!
Es ist also der Mensch, der sozusagen eine Dummheit gemacht hat – und „des Gschmäckle, des bringat mer nimmer weg“ wie der Schwabe sagen würde.
Dies nennen wir auch Erbsünde: Das hat nichts mit Genetik und Sexualität zu tun (das lateinische peccatum originale / Ursprungssünde ist genauer), vielmehr: der Mensch ist ein Sozialwesen. Was einer verursacht, hat Auswirkungen auch auf andere und anderes. Wenn z.B. einer im Zimmer raucht, müssen alle mitrauchen. So wird also jedes Kind, ob es will oder nicht, in diese unvollkommene Welt hineingeboren und muss das Unvollkommene mittragen.
- Sehnsucht nach Erlöser, nach Heilung und Glück
Wir haben heute diesen Weg begonnen, nachzuspüren, was unser Glaube ist. – Ohne Schöpfung und Sündenfall können wir die eigentliche Bedeutung dessen, was wir Erlösung durch Christus (Teil 2) nennen, den Sinn des Christ- und Kircheseins, nicht wirklich verstehen.
Jesus Christus, der Erlöser – 2. Fastensonntag, 01.03.2026
Jesus Christus, der Erlöser – 2. Fastensonntag, 01.03.2026
- Lesung: Gott beruft Abraham (Gen 12,1-4a)
- Evangelium: Verklärung (Mt 17,1-9)
Liebe Schwestern und Brüder,
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5)
Letztes Mal ging es um Schöpfung und Sündenfall / Erbsünde, daraus erwächst die Sehnsucht nach Heilung, worum es heute geht: Jesus Christus, der Erlöser.
Stellen wir uns bildhaft vor: Gott/Jahwe sitzt im Himmel und schaut auf seine von Sünde verwirrte Erde. Die Menschen reuen ihn, er hat MITLEID und möchte uns helfen:
Er beruft als erstes Noah, dann Abraham und macht einen neuen Anfang mit ihm (s. 1. Lesung), es geht eine Zeitlang gut, doch dann treten wieder die alten Störungen auf („Sodom und Gomorra“). Dann fängt er neu an mit Mose, … den Richtern, … den Königen … und den Propheten. Es geht immer eine Zeitlang gut und dann läufts wieder schief (Heilsgeschichte des Alten Testamentes).
Schließlich sagte er zu sich: Die Menschen schaffen das nicht, jetzt komm ich selber!
GOTT wird Mensch in JesusChristus (die Jungfrauengeburt und was sie eigentlich bedeutet ist ein eigenes Thema, das ich ein andermal aufgreife).
Mit der Menschwerdung Gottes erfahren wir nun mehr von Jahwe.
JESUS macht sozusagen die Tür ins Innergöttliche einen Spalt auf – wir dürfen hineinschauen und machen eine interessante Entdeckung: In Gott gibt es ein Ich und ein Du. Das ICH nennen wir Vater, das DU Sohn und dasverbindende WIR Heiliger Geist.
Wir können das auch so ausdrücken: GOTT ist die Liebe – und zur Liebe gehören immer zwei:
Der Vater gibt sich dem Sohn hin und der Sohn dem Vater - im Heiligen Geist: Schenken und
Empfangen, eine ungestörte Beziehung.
Gott ist nicht einfach ein einsames, höchstes Wesen (wie viele Christen haben dieses Gottesbild!) sondern in sich Gemeinschaft und Liebe, wir nennen das Dreifaltigkeit: Vater-Sohn-Heiliger Geist.
Wir glauben, dass Gott, Jahwe immer schon (in sich) die Liebe ist: Mit der Schöpfung hat er dieser Liebe eine geschaffene Gestalt gegeben;
und mit Jesus ist diese innergöttliche Liebe in PERSON auf die Erde ausgeweitet, sodass sie uns ganz nahekommt und wir mit der Taufe (in bewusster Beziehung zu Jesus) daran teilhaben.
JESUS, der Gott-Mensch ist der Einzige, der wirklich eine heile Welt (Reich Gottes) schafft: Er wendet sich Armen und Ausgestoßenen zu, segnet Kinder und heilt Kranke, verkündet und erklärt mit anschaulichen Gleichnissen das Reich Gottes, redet klar mit den Mächtigen und lebt in einem ungestörten Beziehungsgefüge mit den Menschen.
Neid und Hass bringen ihn ans Kreuz! Sein Tod und seine Auferstehung sind wie eine Unterschrift unter sein ganzes Leben.
Kommen wir nun eigens nochmal zu seinem Lebensende, das „Erlösungswerk“ im engeren Sinne (das österliche Triduum):
Jesus ist ohne Sünde, aber in seiner Passion hat er die „Erbsünde“ und alle Sünde und Sündenschmerz auf sich genommen (in der Herz Jesu Kirche in Ingolstadt gibt es ein Glasfenster, das ein Kreuz zeigt, das aus vielen kleinen Kreuzen besteht). Der größte Schmerz war vielleicht die Erfahrung der Gottesferne „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“; wenn man bedenkt, wie eng er mit seinem Vater verbunden ist (s. „Gott ist die Liebe“).
Er hat alle Sünden, alle Beziehungs-Störungen auf das Kreuz genommen, das er mit seinem eigenen Leib hineinhält in
die Glut der innergöttlichen Liebesbeziehung (Vater-Sohn). Mit dieser großen Kraft der vollkommenen, göttlichen Liebe hat GOTT die Sünde „weggeliebt“, die „Beziehungsstörung“ darin geheilt und in Auferstehung verwandelt. Das Opfer am Kreuz ist zugleich die Quelle des Lebens. Das nennen wir Erlösung. Am Kreuz können wir das „anschauen“, wie er uns geliebt und neu-geschaffen hat.
Was von außen her brutale Gewalt war, ist von innen her Liebe: Wie eine Mutter oder ein Vater alles tut für sein Kind, so nimmt Gott aus Liebe zu uns alles auf sich, um uns heil zu machen. Nun, könnten wir einwenden, hätte er das in seiner göttlichen Allmacht nicht einfacher, quasi per Knopfdruck machen können – und die Schöpfung wäre geheilt? Ja, hätte er, aber er wollte unseren Weg „den Menschen gleich“ (Phil 2) gehen. Außerdem achtet er unsere Würde und Freiheit (sich für Gut und Böse zu entscheiden) – und steuert uns nicht wie Marionetten per Knopfdruck. Wir sind Geschöpfe nach seinem Ebenbild!
Das heutige Evangelium vom Berg Tabor zeigt uns vor der Passion und Auferstehung, wer Jesus eigentlich ist: GOTT und MENSCH: Als wahrer Mensch hat er wirklich unser Leben geteilt und gelitten; als wahrer Gott hat er alles mit der Kraft der göttlichen Liebe besiegt. Dies ist wesentlich mehr als Vorbild – dies wäre z.B. auch Maximilian Kolbe, der sein Leben im KZ für einen Familienvater hingab).
Es gibt sozusagen nun den Prototyp einer heilen Welt, der mit Kreuz und Auferstehung wieder „alles gut gemacht hat“, eine „neue Schöpfung“ in Christus, dem „neuen Adam“ (wie Paulus schreibt).
Die Welt IST erlöst, aber wieso ist sie dann noch so unvollkommen? Wie kommt die Erlösung bei uns an und was hat jetzt damit die eingangs gestellte Frage der Berufung zu tun? Darum wird es im dritten Teil gehen.
Jesus - Kirche - du und ich – 3. Fastensonntag, 08.03.2026
Jesus - Kirche - du und ich – 3. Fastensonntag, 08.03.2026
- Lesung: Wasser aus dem Felsen (Ex 17,3-7)
- Evangelium: Die Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,5-42)
Liebe Schwestern und Brüder,
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5)
Die Welt IST erlöst! Keiner kann sie noch „mehr“ erlösen. Aber die vollzogene Erlösung ist noch nicht überall angekommen und angenommen. Um es vorab mit einem Bild zu sagen: Da stehen tonnenweise Streusalz bereit, aber es muss genommen und ausgestreut werden, damit viele Menschen sicheren Halt und Orientierung bekommen.
Dieses einmalige Ereignis auf Golgota wollte Jesus sozusagen in die ganze Geschichte der Menschheit hinein ausdehnen durch den HeiligenGeist – überall sollte die Erlösung hingelangen, in jede Ecke und Ritze dieser Welt und Zeit – und er will das zusammen mit uns machen! Dazu ruft er die Glaubenden in seine Nachfolge, er gründete die „Kirche“.
Die Kirche ist nicht zuerst ein Gebäude oder eine Institution oder eine Moralanstalt – das folgt aus dem ersten. Die Kirche, das bist DU und ICH, Personen! Sie ist Gemeinschaft der Glaubenden, sie sich (mit der Taufe) von GOTT bewohnt wissen (Röm 5,5) und durch die GOTT in dieser Welt wirkt!
Das Wort „Kirche“ kommt aus dem Griechischen (κυριακή) und bedeutet „dem Herrn gehörig“. Das andere Wort für Kirche, „Ecclesia“, das sich in den romanischen Sprachen durchgesetzt hat, kommt auch aus dem Griechischen (εκκλησία) und bedeutet „vom Herrn (heraus)gerufen“ Beides meint dasselbe – die Verbindung mit dem HERRN!
Die Kirche können wir von außen betrachtet mit einem Gebäude vergleichen. Da sind teils schwache, unansehnliche und brüchige Stellen im Mauerwerk, Löcher und Unschönes, aber auch starke, tragende und schön gestaltete Teile. Sie ist von außen betrachtet teils erbaulich und anziehend, teils langweilig und enttäuschend.
Aber wenn man einen Zugang zu ihr gefunden hat und durch diese Tür hineingeht, wird man erfahren: Sie trägt in ihrem Innersten etwas unfehlbar Heiliges:
das WORT Gottes, die SAKRAMENTE und die uneigennützige, ECHTE LIEBE – eben
gnadenhaft JESUS CHRISTUS. Hier ist ein heiliger Ort! Hier ist der von Christus geheilte und erneuerte Bund besonders in der Eucharistie gegenwärtig! Das Sonntagsgebot ist weniger eine äußere Verpflichtung des Glaubenden, sondern das Im-Bund-bleiben, die GOTT, meinem Erlöser zukommende Anbetung.
Nochmal mit den Worten aus dem zweiten Teil formuliert: Jesus hat das von der Schlange gestörte Beziehungsgefüge, die Sünde, besiegt durch die Kraft seiner ungestörten Liebe-
Beziehung zum Vater und vergegenwärtigt, verheutigt, sodass wirJETZT besonders in der Liturgiedaran Anteil haben.
Da die Kirche zuerst Person, die Gemeinschaft der Glaubenden ist, spiegelt sich das ebengesagte in mir! ICH trage (seit der Taufe) Christusin mir und bin gerufen, ihn in alle Ecken und Orte zu bringen:
Ein schönes Beispiel ist das heute Evangelium:
Jesus spricht mit der Frau am Jakobsbrunnen: Ihr Gespräch geht immer tiefer und Jesus – das Heilige, wie wir oben sagten – nimmt immer mehr Raum in ihr ein. Dabei werden ihre „Beziehungsstörungen“ und „Desorientierung“ (Papst Leo XIV.) geheilt. Sie darf erfahren: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17)
… und die Frau trägt das auch an andere weiter! Sie geht in die Stadt und sagt den anderen, was sie erfahren hat!
Wenn Jesus in seiner Kirche, d.h. in uns lebt und wirkt, will er auch durch uns die Sünde / die Beziehungsstörung dieser Welt heil machen und heiligen! Ja, die Kirche ist „Werkzeug des Heiles“ (LG 1) in der Welt. Papst Leo sprach kürzlich auch über dieses Thema und griff dabei die immer noch frische Formulierung des Konzils auf: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute (…) sind auch Freude in Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Jesu. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“ (GS 1)
So kommen wir zum Stichwort „Berufung“. Jesus ruft dich und mich, die Erlösung, sein Reich zu verwirklichen. Jeder nach seiner Art und Beruf, wie der heilige Franz von Sales schon vor über 450 Jahren schrieb:
„Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch den Gläubigen den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen… Die Frömmigkeit (=Berufung) muss anders geübt werden vom Edelmann, anders vom Handwerker, Knecht oder Fürsten, anders von der Witwe, dem Mädchen, der Verheirateten. Mehr noch: die Übung der Frömmigkeit muss auch noch der Kraft, der Beschäftigung und den Pflichten eines jeden angepasst sein“ (DASal 1,37).
Anregungen und Beispiele, wie das gelingen kann, sind das Leben Jesu selbst, seine Mutter Maria und die Heiligen, die etwas von dieser heilenden Liebe GOTTES in verschiedene Zeiten, Orte und Umstände hinein transportieren (darunter auch der heilige Franziskus von Assisi, dessen 800. Todestag wir heuer begehen).
Wer sind die Heiligen unserer Zeit? Du und ich!
Es ist wichtig und zugleich ein Geschenk, Menschen/Personen zu kennen, die das leben! Christentum und Glaubensweitergabe lebt durch Gebet, Beispiel und Beziehung der Glaubenden!
Gott wird dich am Ende nicht fragen, was du alles geschafft hast, sondern wie du die Liebe gelebt hast. (nach Therese von Lisieux)
Zum Schluss noch ein Beispiel, aus Otto Neubauers Buch „Mission Possible“, das schön zum Ausdruck bringt, wie sich eine Berufung zur Heilung und Heiligung der Welt zeigen kann:
„Undankbarkeit – das habe ich zu spüren bekommen, als ich für mehrere Monate in einem irischen Obdachlosenheim mithalf. Den Damen fiel es schwer, Liebe zu zeigen, sie hatten sie ja selbst kaum erfahren. Erst nach fast acht Monaten begannen sie, mir ihre Wertschätzung dafür zu zeigen, dass ich für sie da war, kochte, putzte, zuhörte und betete. Selten habe ich Menschen getroffen, die so offen sind, so sehr suchen und leiden. Es ist so wichtig, es Jesus gleichzutun und für jene am Rand der Gesellschaft da zu sein.“
Resi Schmalzbauer, Germanistikstudentin
An anderer Stelle schreibt Otto Neubauer:
„Nicht alle von uns können große Dinge tun, aber wir alle können kleine Dinge mit großer Liebe tun“ (Mutter Teresa). So werden die scheinbar kleinsten Akte der Zuneigung den Alltag vieler mit Freude und Sinn erfüllen.
Gebetsgedanken:
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5)
Jesus, Jonas Reißmann hat JA gesagt zu seiner Berufung. Auch ich stehe vor dir, HERR. Lass mich spüren, dass du als Mensch mir ganz nahe bist / in mir wohnst und als Gott die ganze Ewigkeit umfasst. Du bist für mich am Kreuz gestorben, weil du mich liebst, um auch mich zu heilen und zu erlösen. Jesus, welche Berufung habe ich? Welche Aufgabe hast du für mich?
Maria, Mutter Jesu und Mutter der Kirche, du hast JA gesagt im Vertrauen auf Gott, auch wenn du damals noch nicht wusstest, was da auf dich zukommt. Hilf auch mir, JA zu sagen zu Jesus … im Bund zu bleiben und die Liebe zu leben!
Amen.
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Diese Predigt enthält Gedanken aus folgenden Quellen:
- Therese von Lisieux, Der kleine Weg
- Josef Ratzinger: Im Anfang schuf Gott
- Josef Ratzinger/Benedikt XVI.: Das Jesusbuch
- Otto Neubauer, Mission Possible
- Franz von Sales, Philothea
- Papst Leo: Ansprachen
Gebet um Berufung
GEBET UM BERUFUNG
Herr Jesus Christus,
du hast Männer und Frauen berufen,
Alte und Junge, Arme und Reiche,
dass sie dir nachfolgen und so das Leben gewinnen.
Wir danken dir, dass viele Getaufte und Gefirmte
ihre Aufgaben in Kirche und Welt erfüllen.
Wir bitten dich für unsere Kirche:
Wir brauchen die Verkündigung deines Evangeliums,
die Erfahrung deiner Gegenwart in der Eucharistie
und den anderen Sakramenten,
die Gemeinschaft der Glaubenden
und die Liebe deines Herzens in dieser Welt.
Herr, wir bitten dich von ganzem Herzen:
Schenke uns Christen, die ihre Taufe als Berufung spüren
und dir in verschiedenen Diensten und Aufgaben nachfolgen,
um in der Kraft des Heiligen Geistes
dein Wort zu leben und zu verkünden,
den Nächsten, besonders den Armen beizustehen,
ihre Gaben in die Gemeinde einzubringen,
und dir, unserem Herrgott
im Sonntag und Alltag zu dienen.
Denn du bist der Hirt deines Volkes,
du bist unsere Hoffnung in Ewigkeit.
Amen.
nach Franz Kamphaus


