Jesus - Kirche - du und ich – 3. Fastensonntag, 08.03.2026
- Lesung: Wasser aus dem Felsen (Ex 17,3-7)
- Evangelium: Die Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4,5-42)
Liebe Schwestern und Brüder,
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5)
Die Welt IST erlöst! Keiner kann sie noch „mehr“ erlösen. Aber die vollzogene Erlösung ist noch nicht überall angekommen und angenommen. Um es vorab mit einem Bild zu sagen: Da stehen tonnenweise Streusalz bereit, aber es muss genommen und ausgestreut werden, damit viele Menschen sicheren Halt und Orientierung bekommen.
Dieses einmalige Ereignis auf Golgota wollte Jesus sozusagen in die ganze Geschichte der Menschheit hinein ausdehnen durch den HeiligenGeist – überall sollte die Erlösung hingelangen, in jede Ecke und Ritze dieser Welt und Zeit – und er will das zusammen mit uns machen! Dazu ruft er die Glaubenden in seine Nachfolge, er gründete die „Kirche“.
Die Kirche ist nicht zuerst ein Gebäude oder eine Institution oder eine Moralanstalt – das folgt aus dem ersten. Die Kirche, das bist DU und ICH, Personen! Sie ist Gemeinschaft der Glaubenden, sie sich (mit der Taufe) von GOTT bewohnt wissen (Röm 5,5) und durch die GOTT in dieser Welt wirkt!
Das Wort „Kirche“ kommt aus dem Griechischen (κυριακή) und bedeutet „dem Herrn gehörig“. Das andere Wort für Kirche, „Ecclesia“, das sich in den romanischen Sprachen durchgesetzt hat, kommt auch aus dem Griechischen (εκκλησία) und bedeutet „vom Herrn (heraus)gerufen“ Beides meint dasselbe – die Verbindung mit dem HERRN!
Die Kirche können wir von außen betrachtet mit einem Gebäude vergleichen. Da sind teils schwache, unansehnliche und brüchige Stellen im Mauerwerk, Löcher und Unschönes, aber auch starke, tragende und schön gestaltete Teile. Sie ist von außen betrachtet teils erbaulich und anziehend, teils langweilig und enttäuschend.
Aber wenn man einen Zugang zu ihr gefunden hat und durch diese Tür hineingeht, wird man erfahren: Sie trägt in ihrem Innersten etwas unfehlbar Heiliges:
das WORT Gottes, die SAKRAMENTE und die uneigennützige, ECHTE LIEBE – eben
gnadenhaft JESUS CHRISTUS. Hier ist ein heiliger Ort! Hier ist der von Christus geheilte und erneuerte Bund besonders in der Eucharistie gegenwärtig! Das Sonntagsgebot ist weniger eine äußere Verpflichtung des Glaubenden, sondern das Im-Bund-bleiben, die GOTT, meinem Erlöser zukommende Anbetung.
Nochmal mit den Worten aus dem zweiten Teil formuliert: Jesus hat das von der Schlange gestörte Beziehungsgefüge, die Sünde, besiegt durch die Kraft seiner ungestörten Liebe-
Beziehung zum Vater und vergegenwärtigt, verheutigt, sodass wirJETZT besonders in der Liturgiedaran Anteil haben.
Da die Kirche zuerst Person, die Gemeinschaft der Glaubenden ist, spiegelt sich das ebengesagte in mir! ICH trage (seit der Taufe) Christusin mir und bin gerufen, ihn in alle Ecken und Orte zu bringen:
Ein schönes Beispiel ist das heute Evangelium:
Jesus spricht mit der Frau am Jakobsbrunnen: Ihr Gespräch geht immer tiefer und Jesus – das Heilige, wie wir oben sagten – nimmt immer mehr Raum in ihr ein. Dabei werden ihre „Beziehungsstörungen“ und „Desorientierung“ (Papst Leo XIV.) geheilt. Sie darf erfahren: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17)
… und die Frau trägt das auch an andere weiter! Sie geht in die Stadt und sagt den anderen, was sie erfahren hat!
Wenn Jesus in seiner Kirche, d.h. in uns lebt und wirkt, will er auch durch uns die Sünde / die Beziehungsstörung dieser Welt heil machen und heiligen! Ja, die Kirche ist „Werkzeug des Heiles“ (LG 1) in der Welt. Papst Leo sprach kürzlich auch über dieses Thema und griff dabei die immer noch frische Formulierung des Konzils auf: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute (…) sind auch Freude in Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Jesu. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“ (GS 1)
So kommen wir zum Stichwort „Berufung“. Jesus ruft dich und mich, die Erlösung, sein Reich zu verwirklichen. Jeder nach seiner Art und Beruf, wie der heilige Franz von Sales schon vor über 450 Jahren schrieb:
„Bei der Schöpfung befahl Gott den Pflanzen, Frucht zu tragen, jede nach ihrer Art. So gibt er auch den Gläubigen den Auftrag, Früchte der Frömmigkeit zu tragen… Die Frömmigkeit (=Berufung) muss anders geübt werden vom Edelmann, anders vom Handwerker, Knecht oder Fürsten, anders von der Witwe, dem Mädchen, der Verheirateten. Mehr noch: die Übung der Frömmigkeit muss auch noch der Kraft, der Beschäftigung und den Pflichten eines jeden angepasst sein“ (DASal 1,37).
Anregungen und Beispiele, wie das gelingen kann, sind das Leben Jesu selbst, seine Mutter Maria und die Heiligen, die etwas von dieser heilenden Liebe GOTTES in verschiedene Zeiten, Orte und Umstände hinein transportieren (darunter auch der heilige Franziskus von Assisi, dessen 800. Todestag wir heuer begehen).
Wer sind die Heiligen unserer Zeit? Du und ich!
Es ist wichtig und zugleich ein Geschenk, Menschen/Personen zu kennen, die das leben! Christentum und Glaubensweitergabe lebt durch Gebet, Beispiel und Beziehung der Glaubenden!
Gott wird dich am Ende nicht fragen, was du alles geschafft hast, sondern wie du die Liebe gelebt hast. (nach Therese von Lisieux)
Zum Schluss noch ein Beispiel, aus Otto Neubauers Buch „Mission Possible“, das schön zum Ausdruck bringt, wie sich eine Berufung zur Heilung und Heiligung der Welt zeigen kann:
„Undankbarkeit – das habe ich zu spüren bekommen, als ich für mehrere Monate in einem irischen Obdachlosenheim mithalf. Den Damen fiel es schwer, Liebe zu zeigen, sie hatten sie ja selbst kaum erfahren. Erst nach fast acht Monaten begannen sie, mir ihre Wertschätzung dafür zu zeigen, dass ich für sie da war, kochte, putzte, zuhörte und betete. Selten habe ich Menschen getroffen, die so offen sind, so sehr suchen und leiden. Es ist so wichtig, es Jesus gleichzutun und für jene am Rand der Gesellschaft da zu sein.“
Resi Schmalzbauer, Germanistikstudentin
An anderer Stelle schreibt Otto Neubauer:
„Nicht alle von uns können große Dinge tun, aber wir alle können kleine Dinge mit großer Liebe tun“ (Mutter Teresa). So werden die scheinbar kleinsten Akte der Zuneigung den Alltag vieler mit Freude und Sinn erfüllen.
Gebetsgedanken:
Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen (Ps 37,5)
Jesus, Jonas Reißmann hat JA gesagt zu seiner Berufung. Auch ich stehe vor dir, HERR. Lass mich spüren, dass du als Mensch mir ganz nahe bist / in mir wohnst und als Gott die ganze Ewigkeit umfasst. Du bist für mich am Kreuz gestorben, weil du mich liebst, um auch mich zu heilen und zu erlösen. Jesus, welche Berufung habe ich? Welche Aufgabe hast du für mich?
Maria, Mutter Jesu und Mutter der Kirche, du hast JA gesagt im Vertrauen auf Gott, auch wenn du damals noch nicht wusstest, was da auf dich zukommt. Hilf auch mir, JA zu sagen zu Jesus … im Bund zu bleiben und die Liebe zu leben!
Amen.
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Diese Predigt enthält Gedanken aus folgenden Quellen:
- Therese von Lisieux, Der kleine Weg
- Josef Ratzinger: Im Anfang schuf Gott
- Josef Ratzinger/Benedikt XVI.: Das Jesusbuch
- Otto Neubauer, Mission Possible
- Franz von Sales, Philothea
- Papst Leo: Ansprachen